[Blogparade] Wie man eine spannende Kampfszene schreibt

Das Geräusch von Metall auf Metall. Knirschen, Schreie, eine Schwertklinge, die nur Millimeter an deinem Körper vorbei rauscht. Das Adrenalin schießt durch deinen Körper. Kupferner Blutgeruch hängt schwer über dem Feld, auf dem sich der Kampf zugetragen hat.  – Das waren die ersten Gedanken und Eindrücke, die ich hatte, als ich mich darum beworben habe, bei der Blogparade einen Artikel über Kampfszenen zu schreiben. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir bewusst: Es gibt nicht nur blutige Schlachtkämpfe, sondern eine Vielzahl von Kampfarten und somit auch Kampfszenen. Nicht nur physische, sondern zum Beispiel auch psychische Kämpfe. Der Kampf zwischen Gut und Böse. Jeder grundlegende Konflikt stellt eine Art Kampf dar. Doch worauf mich nun fokussieren? Ich habe jetzt einmal versucht ein paar allgemeinere Tipps zusammenzustellen, die man auf die verschiedensten Arten von Kampfszenen anwenden kann und bin gespannt auf eure Meinungen!

Dein Held ist nicht Superman.

Außer er ist es wirklich, aber sein wir ehrlich, dann ist die Geschichte irgendwie langweilig. Und selbst Superman hat sein Kryptonit als Schwäche. Was ich damit sagen möchte: Um einen Kampf realistisch und spannend zu machen, darf nicht schon von vornerein feststehen, wer ihn gewinnt. Der Gegner muss eine realistische Chance haben. Warum sollte er sich auf einen Kampf einlassen, wenn er weiß, dass sein Gegner viel schlauer und gerissener ist? Jede der beiden Kampfpartner muss das Potenzial besitzen, den Kampf gewinnen zu können. Mein Lieblingsbeispiel: Harry Potter. Voldemort ist der größte und gefürchtetste Magier aller Zeiten. Tausende Menschen sind seinetwegen gestorben. Wieso also sollte Harry überleben? Er braucht eine realistische, ebenbürtige Waffe, die den Ausgang des Kampfes offen lässt, in diesem Fall die Liebe seiner Mutter.

Dein Held ist nicht Superman, Teil II

Dein Protagonist oder generell deine Figuren können nur so kämpfen wie ihre Physis und ihr Geist es zulässt. Klar kann auch ein kleines schmächtiges Mädchen Karate ausüben können, doch wird sie sich gegen drei Gegner gleichzeitig durchsetzen können? Unwahrscheinlich. Eigentlich ein recht offensichtlicher Trick, wird aber oft vergessen. Und das ist auch nur natürlich: Man weiß, dass sein Protagonist einen bestimmten Konflikt oder Kampf gewinnen muss und im Schreibfluss lotet man die Grenzen zu weit aus. Also, bei Kampfszenen, gerade physischen, immer ganz wichtig: Der Realitätscheck.

Kenn dich aus in dem, was du schreibst

Gerade Kampfszenen erfordern häufig ein enormes Ausmaß an Vorab-Recherche. Sei es ein Schwertkampf, ein Boxkampf, ein Buchstabiertunier oder ein Wettrennen. Um eine realistische Szene zu schreiben, muss man wissen, wie schwer sich das Schwert in den Händen anfühlt, wie einem das Adrenalin durch den Körper fließt, wenn man einem Boxschlag ausweicht, wie einem die Hände nass werden vor Angst, das Falsche zu sagen. Doch was heißt das? Kenn dich aus in deinem Metier und probiere Sachen aus. Schau dir Waffen an, die deine Charaktere im Kampf benutzen. Nimm mal an einer Probestunde Judo teil, wenn dein Charakter ein Nahkämpfer ist (oder mach es einfach mal so, es ist ein wirklich toller Sport) und vor allem – informiere dich vorab im Internet. Wusstest du zum Beispiel, dass ein einhändiges Langschwert im Schnitt 1m lang und 1kg schwer ist? Und ein Bastardschwert sogar bis zu 1,1m lang und 1,2 Kilo wiegt? Ist dein Protagonist überhaupt groß genug, um das vernünftig zu händeln?

Vergiss die Spannung nicht!

Über all den Details und ausgetüftelten Handlungsabfolgen des Kampfes sollte eines jedoch nie zu kurz kommen: Die Spannung. Nur weil sich zwei Leute schlagen, heißt es noch lange nicht, dass die Szene auch spannend wird. Manche Kampfszenen lesen sich eher wie ein historischer Bericht oder die Anleitung für einen Judo-Kurs und verlieren sich in den Details. Wichtig ist, dass für die Kämpfer etwas auf dem Spiel steht – etwas sehr Bedeutendes. Und jeder Kampf sollte Konsequenzen nach sich ziehen, die wichtig für die weitere Handlung und den Protagonisten sind.

Jeder Kampf hat Konsequenzen

Wo wir direkt beim nächsten Punkt sind: Jeder Kampf hat Konsequenzen – und sei es nur ein Muskelkater. Wichtig ist, dass du dies für deine Handlung nicht vergisst. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dein Protagonist völlig unbeschadet aus einem Kampf oder einem Duell hervorgeht. Es muss ja nicht immer eine physische Beeinträchtigung sein, auch die Psyche wird durch einen Kampf oder einen Streit stark belastet. Halte dies im Hinterkopf für weitere Szenen und überlege, wie diese Erfahrung deinen Charakter verändert und formt.

Achte auf den Stil

Um Spannung zu erzeugen, gibt es eine ganze Reihe Stilmittel, u.A. kurze, schnelle Sätze benutzen oder nur selektiv gewisse Sinneseindrücke schildern. Aber vergiss nicht, dass du durch deinen Stil auch eine individuelle Kampfszene gestalten kannst. Ein unerfahrener Kämpfer ist hektisch, ungenau, überfordert. Dies kannst du ausdrücken in dem du sehr kurze Sätze schreibst, manchmal nur einzelne Worte benutzt. Die Sinneseindrücke werden unklar und überlagern sich, manche Bewegung entzieht sich der Wahrnehmung deines Protagonisten. Im Gegensatz dazu würde ein erfahrener Kämpfer die Szene eher sachlich schildern, längere Sätze benutzen. Auf mehr Details des Gegners und der Umwelt achten. Vielleicht sogar innere Monologe führen. Ein mutiger Krieger kämpft anders als ein Feigling. Als Übung kannst du dir vielleicht mal eine Kampfszene aus einem Buch vornehmen und sie aus verschiedenen Perspektiven schreiben: mal aus der eines erfahrenen Kämpfers, mal aus der eines Laien, mal aus der eines selbstbewussten, aber unfähigen Kämpfer etc. Es ist wirklich verrückt wie unterschiedlich ein und dieselbe Szene werden kann!

Weniger ist mehr!

Ein Kampf ist zumeist eine aufgeladene, hektische Situation (außer es handelt sich um ein Schach-Duell). Aber gerade in einem körperlichen Kampf sollte man darauf achten, nicht zu viel wörtliche Rede zu benutzen. Das wirkt schnell unrealistisch. Meist muss man sich seine Luft zum Atmen aufsparen, damit einem seine Kondition nicht im Stich lässt.

Insgesamt stecken beim Schreiben einer Kampfszene die Tücken wirklich im Detail, weshalb auch wohl viele es so schwer finden, sie zu schreiben. Ich hoffe, durch meine Tipps konnte ich euch ein bisschen weiterhelfen. Und nun, auf die die Wort-Schlacht!

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11 Gedanken zu “[Blogparade] Wie man eine spannende Kampfszene schreibt

  1. Hat dies auf Lyr-Blog rebloggt und kommentierte:
    Es ist Samstag, also ist es Blog-Paradenzeit. Dieses mal geht es darum, wie man spannende Kampfszenen schreibt. Verfasst wurde der Beitrag von Mandy. Sie ist, wie ich User in der Kreativschreibstube. In ihrem Blog, dem Buchatelier befasst sie sich damit, wie man ein Buch in 6 Monaten verfasst. Dabei ist sie ein relativ persönlicher Blogger, suchte so z.b Hilfe beim Auswählen des Titels für ihr Manuskript

    In ihrem Artikel zu Kampfszenen gibt sie allgemeine Tipps. So sollte der Hauptcharakter kein Superheld sein und auch angreifbar sein. Auch Konsequenzen sind, vor allem nach dem Kampf entscheidend und sollten nicht vergessen werden. Mehr dazu könnt ihr in ihrem Blog-Beitrag lesen.

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  2. Huhu!

    Einen tollen Artikel hast du da geschrieben 😉 Am wichtigsten finde ich eigentlich den letzten Punkt: Nicht quatschen beim Kämpfen. Das stört mich in Büchern immer ganz schrecklich, wenn der Prota zu einem Waschweib mutiert – „Und da! Nimm das! Das ist, weil du die Prinzessin entführt hast!“ – oder noch schlimmer: Das Geständnis des Bösewichts mitsamt genauer Erklärung wie was nun eigentlich funktioniert hat – in einem klirrenden Schwertduell.

    Aber da sind auch viele andere brauchbare Tipps, die ich bei meiner nächsten Kampfszene gleich mal ausprobieren werde.

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  3. Ein schöner Artikel mit vielen wichtigen Details. In einem meiner Projekte wird es ganz sicher zu einem Kampf kommen, obwohl mein Protagonist lieber wegrennt. Ich habe noch nie eine Kampfszene geschrieben und bin schon sehr gespannt darauf. Ich werde mir dann, wenn es soweit ist, nochmal Deine Tips durchlesen. 🙂

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  4. In meinen Büchern gebe ich mir sehr viel Mühe, die Kämpfe so realistisch wie möglich zu beschreiben. Mit scharfen Waffen ist es nach 2-5 Hieben vorbei, mit der Faust spätestens nach einer Viertelstunde. Ich beschreibe die Techniken, die angewendet werden und scheue nicht davor, an bestimmten Stellen in Details zu gehen. Es gibt nichts, was ich mehr hasse als Sätze wie: „Er schlug mit dem Schwert, sie parierte.“ Es ist mir wichtig, dass die Charaktere die Verletzungen während und nach des Kampfes mit sich tragen und dass sie während der Kampfhandlung Kraft und Ausdauer verlieren. Ich weiß, dass es nicht die Kämpfe sind, die Hollywood-Fanatiker lesen möchten, aber das ist mir schnurz.

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  5. Ahh! Sorry. Ich wusste nicht, das mein Rebloggne direkt zu so einem generischen Kommentar führt. Naja. Was solls. Freut mich, dass dein Artikel so pünktlich online ging (Direkt nach 24 uhr, oder?) Ich find auch gut, dass er so umfangreich ist. Als ich mit der Parade anfing hatte ich ja absolut 0 Orientierungspunkte. Hätte ja sein können, dass alle anderen Artikel viel kürzer oder länger werden würden. Aber derzeit gibt es sich ja alles die Waage.

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  6. Das ist wirklich ein guter Artikel geworden, mit schönen hilfreichen Tipps =).
    Gerade, dass man sich auskennen muss, wird so oft vergessen, vor allem bei Kleinigkeiten, die man denkt, das wüsste jeder, obwohl dieses „Allgemeinwissen“ gar nicht stimmt.
    Auch Konsequenzen sind wichtig und dass man während eines erbitterten Kampfes nicht redet wie ein Wasserfall^^. Es gefällt mir, wie du auf den Realismus achtest. =)
    Toller Beitrag zu unserer hübschen Parade =)

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    1. Danke, das ist lieb von dir 🙂
      Ja, oft denkt man „Mensch, so allgemeine Sachen, dafür brauche ich keinen Artikel, der mich daran erinnert“. Aber häufig unterschätzt man das und im Schreibfluss vergisst man es auch häufig, finde ich 🙂

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